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Hawkwind 17.02.2009 23:08

Wissenswertes über Bremsflüssigkeit
 
Die Bremsflüssigkeit überträgt den Bremsdruck vom Hand- oder Fußhebel zum Bremskolben. Die Eigenschaften, die sie haben sollte, sind recht vielfältig. Sie darf sich natürlich nicht komprimieren lassen. Weiterhin soll sie aber auch die Metallteile vor Korrosion schützen und die beweglichen Teile schmieren. Sie darf die Gummiteile nicht angreifen und muss über einen großen Temperaturbereich bestimmte Viskositäten aufweisen.

Bremsflüssigkeit besteht aus Polyglykolen. Das sind bestimmte Alkohole, diese sollten aber nicht getrunken werden. Augenzwinkern Des weiteren können sie Haut und Schleimhäute reizen. Auch Lacke werden angegriffen. Spritzer sollten deshalb schnell entfernt werden.
Bremsflüssigkeit darf nicht mit Altöl, Benzin oder anderen Stoffen gemischt werden. Es ist Sondermüll und muss entsprechend entsorgt werden.

Unterteilt wird Bremsflüssigkeit nach DOT3, DOT4, DOT5 und DOT5.1 (DOT->Department of Transportation). Mischbar sind alle untereinander, außer DOT 5, welches Silikone enthält, das herkömmliche Bremssysteme angreift.
Alte Fahrzeuge, welche für DOT3 ausgelegt sind, sollten möglichst keine DOT4 Bremsflüssigkeit bekommen, diese ist aggressiver und könnte die verwendeten Gummis angreifen.

Welche Bremsflüssigkeit ist nun die beste? Generell kann man sagen, dass die höhere Nummer die Bremsflüssigkeit mit dem höheren Siedepunkt und höherem Nasssiedepunkt bezeichnet.

Siedepunkte:

DOT 3 205°C
DOT 4 230°C
DOT 5/5.1 260°C

Nasssiedepunkt (bei 3,5% Wassergehalt)

DOT 3: 155 °C
DOT 4: 170 °C
DOT 5.1: 180 °C

DOT5 ist nicht hygroskopisch, hat also keinen Nasssiedepunkt.

Die Werte können etwas differieren. Wer Lust hat, kann mal "Hydraulan" ( BASF-Produkt) googeln und sich die Spezifikationen anschauen.

Der Wassergehalt von 3- 3,5% kann nach zwei Jahren erreicht sein. Das Wasser dringt durch die Entlüftungsbohrung des Ausgleichsbehälters in das Bremssystem und/oder diffundiert durch die Bremsschläuche. Dass die Bremsflüssigkeit das Wasser aufnimmt ist sogar gewollt. Dadurch bilden sich keine Wassertropfen, die viel früher Dampfblasen erzeugen können.

Was passiert nun beim Bremsen?

Beim Bremsen entsteht an der Bremsscheibe und am Bremsbelag eine recht hohe Temperatur. Ein guter Teil davon wird an die Bremsflüssigkeit abgeleitet. Wird nun mehrmals hintereinander scharf gebremst, kann die Temperatur in der Flüssigkeit so hoch ansteigen, dass diese kocht und Dampfblasen entstehen. Diese werden beim Bremsen komprimiert und der Druckpunkt wandert beim nächsten Bremsmanöver weiter an den Lenker. Wenn dies passiert, sollte man der Flüssigkeit Gelegenheit zum Abkühlen geben (anhalten) und baldmöglichst die Bremsflüssigkeit wechseln (lassen).

Es kann aber auch richtig gefährlich werden. Ist der Wassergehalt sehr hoch und wird beim Bremsen der Siedepunkt weit überschritten, ist das Szenario schlimmer. Während des Bremsvorganges scheint alles in Ordnung, weil aufgrund des Druckes der Siedepunkt höher ist (Schnellkochtopfprinzip). Löst man nun die Bremse, sinkt Druck und damit der Siedepunkt. Schlagartig entwickeln sich Dampfblasen und die überschüssige Bremsflüssigkeit wird in den Ausgleichsbehälter gedrückt. Will man jetzt bremsen, kann soviel Dampf in der Leitung sein, dass ohne Vorwarnung keine Bremsleistung mehr vorhanden ist, weil der Hebelweg nicht ausreicht, alle Dampfblasen zusammenzudrücken. Das sind Situationen, die keiner braucht.

Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte die Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre wechseln (lassen).


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